Titel: Monolog einer Wiener Straßenbahnreisenden

Technische Anforderungen: ein Kassettenabspielgerät, 220V oder 6 x 4,5V Batterien
Platzbedarf: zwei Sitzplaetze

Beschreibung:

Im Zentrum steht der Monolog eines Fahrgasts, der die Gelegenheit der Radiouebertragung nutzt um Aspekte seines Alltags und damit des Lebens an sich im Lichte der Strassenbahn an die Oeffentlichkeit zu tragen.

Der Text wird vorab aufgezeichnet. Vorort wird er mittels eines alten Radios abgespielt. Die Authorin sitzt mit schweigend neben dem Abspielgeraet. Nur ihre Augen sprechen.

‘Umriss’:

0.erleichterung, einsteigen zu können. erloesendes losfahren.

I.verlorensein durch die durch die staßenbahnfahrt produzierte trennung von der umgebung/ zwischen innen und aussen

II.geborgensein in der losgelösten bewegten einheit (travelers space)

III.bewunderung und faszination der realitaet - betrachtet aus der mobilen perspektive der straßenbahn

iV, angst vor dem zurueckkehren in die alltagsrealitaet


Inhalt:

Die Strassenumgebung, der selbstverantwortliche Alltag steht im Gegensatz zum bewegten geborgenen travelers space der Strassenbahn, in dem temporaer die Verantwortung an den Zugfuehrer uebergeben wird. der schritt als maß aller dinge wird durch schwebende Zeitlosigkeit in Vergessenheit gedraengt.

Auszüge aus dem Text:
[start]

gerade noch ging ich. dann stand ich und wartete. dann kam der erlösende moment, der erste sichtkontakt, das gefühl der erleichterung. alle zweifel erlischen. es steht fest. ich werde gleich einsteigen und meine beine dürfen rasten. ich werde nicht weitergehen. jetzt nicht. ich werde mich und meinen körper dahintragen lassen. 0:28

[maß aller dinge]

kurze wehmut. ich erinnere mich an dass, was das gehen manchmal für mich bedeutete oder bedeutet.ein schritt is das maß aller dinge wir städter verlieren immer wieder den bezug zur realität reiht man nur genügend schritte aneinander kommt man sehr weit

beim gehen fühle ich wie ich immer näher an dem realen maßstab der dinge gerate

[travelers space]

kann mir gar nicht mehr vorstellen da draußen zu sein. zu gehen. mich mühsam dahin zu bewegen.

ich fühle mich so wohl hier. es ist warm. ich sitze bequem in mein gewand gewickelt. ich habe platz meine füsse auszustrecken. platz meinen blick auszustrecken und in die ferne reisen zu lassen. durch die straßenbahn hindurch, nach draußen hinaus, die straße entlang, durch die gassen hindurch, über die dächer hinweg, über die plätze, gärten, brachen, kreuzungsschlachtfelder, industrieverbrechen, betonwüsten und nacht.

endlich platz. platz meine gedanken darüber wachsen zu lassen. platz und zeit.

0:50

[fine]

mein name ist nicht von Bedeutung dennoch habe ich etwas zu sagen. eigentlich bin ich gezwungen etwas zu sagen. wenn ich nichts sage bin ich schutzlos dem außen ausgesetzt. der inversion der information und disinformation. der in mein sehr persönliches eindringt. in mein sehr privates eingreift.

schade das es keinen negativen ton gibt, den ich ihm entgegensetzen könntekeine deckende stille, die ich um mich malen könnte

also brauche ich wohl dieses gedankenschutzschild. diese gedankengebäude und landschaften diese welten in meinem kopf die nur mein sind. und mir gehorchen

um meine vollständigkeit zu wahren um ganz zu bleiben.